Mord an Rubén Espinosa: Weiten Drogenkartelle ihren Einflussbereich aus?

Bild: © EneasMx - Wikimedia Commons

Journalisten in Mexiko, die kritisch über die Drogenkartelle oder die Verstrickung von Staatsdienern in diese berichten, werden zunehmend bedroht und im Zweifelsfall aus dem Weg geräumt. Die Kartelle werden dabei immer skrupelloser. Wie der Fall des kürzlich mit vier Frauen zusammen ermordeten Journalisten Rubén Espinosas zeigt, können nun auch die als sicher geltenden Orte in Mexiko keine Sicherheit mehr garantieren.

In Mexiko werden seit einigen Jahren immer wieder Journalisten, die über die Machenschaften der Drogenbanden berichten, getötet aufgefunden. Oft sind Spuren von Misshandlungen und Folter an ihren Körpern zu sehen. Seit 2010 wurden mindestens 97 Journalisten ermordet.1

Die Vereinten Nationen verurteilten den Mord an Rubén Espinosa scharf. „Sollte sich herausstellen, dass der Mord in Zusammenhang mit seiner journalistischen Arbeit stand, wäre das ein schwerer Anschlag auf die Pressefreiheit, lies das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte am Montag verlauten.2 Nach Angaben der Organisation „Reporter ohne Grenzen ist die Pressefreiheit in Mexiko bereits mehr als beschädigt. Laut ihrer „Rangliste der Pressefreiheit“, auf der 180 Staaten bewertet werden, liegt Mexiko bereits auf Platz 148. Die Situation im Land wird als schwierig eingestuft.3

Rubén Espinosa arbeitete freiberuflich für die Agentur Cuartoscuro sowie für das linke Nachrichtenmagazin Proceso. Zusätzlich veröffentlichte er Fotos auf seinem Instagramaccount. Er war vor allem in Jalapa, der Hauptstadt von Veracruz, tätig. Die Region ist bekannt dafür, eine Hochburg des organisierten Verbrechens zu sein. Außerdem stehen die stattlichen Organe im Verdacht gemeinsame Sache mit den Kartellen zu machen. Espinosa selbst wurde mehrmals von Polizisten verprügelt und genötigt, seine Fotos zu löschen. Anfang Juni entschloss er sich, die Region zu verlassen, weil er innerhalb kürzester Zeit mehrmals drangsaliert und bedroht wurde. Besonders besorgniserregend an Espinosas Fall ist, dass er der erste bedrohte Journalist ist, der im vermeintlich sicheren Mexiko-Stadt getötet wurde. Wer hinter dem Mord steckt, ist bisher nicht geklärt. Ob es eine Verbrecherorganisation war, ist nicht sicher. Derzeit gehe der Großteil der Schikanen und Angriffe auf Reporter und Journalisten von Staatsdienern wie Polizisten, Soldaten und sogar Politikern aus.4 Auch der Gouverneur von Veracruz äußerte sich mehrfach abfällig über Medien.5

Nachdem der Mord an dem Journalisten bekannt wurde, formten sich am zweiten August, dem Tag nach seinem Tode, in mehreren Städten Mexikos Demonstrationen6, bei denen auch Plakate gezeigt wurden, die behaupteten, dass die Regierung etwas mit dem Mord zu tun habe. Der Journalist Jenaro Villamil, der auch für Proceso schreibt, sagte, dass er der Regierung den Mord nicht direkt anhaften könne, jedoch, dass in Mexiko „ein Klima der Belästigung und Straflosigkeit“ herrsche.1

  1. Forbes: Mexican Photojournalist Ruben Espinosa Killed In Brutal Multiple Homicide In Mexico City – zuletzt aufgerufen am 06.08.15 [] []
  2. Der Tagesspielgel: Rubén Espinosa und vier Frauen ermordet: Internationaler Protest nach Mord an kritischem Fotografen in Mexiko – zuletzt aufgerufen am 06.08.15 []
  3. Reporter ohne Grenzen: Rangliste der Pressefreiheit – zuletzt aufgerufen am 06.08.15  []
  4. Spiegel Online: Pressefreiheit: Kritischer Journalist in Mexiko getötet – zuletzt aufgerufen am 06.08.15 []
  5. Der Tagesspielgel: Rubén Espinosa und vier Frauen ermordet: Internationaler Protest nach Mord an kritischem Fotografen in Mexiko – zuletzt aufgerufen am 06.08.15 []
  6. amerika21: Entsetzen in Mexiko über Mord an Fotoreporter – zuletzt aufgerufen am 06.08.15 []

Über Alexander / earthlink

Ich bin Student der Volkskunde/Europäische Ethnologie und absolviere mein Pflichtpraktikum bei Earthlink um einen Einblick in die Arbeit von NGOs zu erhalten. Wichtig ist mir, dass ich schon während dem Praktikum bei der Aufklärung helfen kann.
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