Methamphetamin erobert Westafrika

Bild: © DEA - Wikimedia Commons

Die Staaten in Westafrika sind schon länger dafür bekannt, ein Umschlagplatz für Drogen aus aller Welt zu sein. Von den westlich gelegenen Küstenstaaten werden alle möglichen Drogen, vor allem Heroin und Kokain, in den mittleren Osten, Ostasien und auch Europa geschmuggelt. Die schlecht gesicherten Grenzen und korrupte Politiker sorgten dafür, dass das System am Laufen gehalten wurde. Jüngst stellten nigerianische Behörden fest, dass vor allem Nigeria nicht nur ein Transitstaat für Drogen geblieben ist, sondern, dass diese dort nun auch in großem Stile hergestellt werden. Immer öfter werden Polizisten und Drogenfahnder mit Crystal Meth Laboren konfrontiert.

Bereits vor zwei Jahren war bekannt, dass Meth aus Westafrika nach Europa gelangt und dort verkauft wird. Auch, dass die Zutaten für die Droge aus Ostasien kommen, galt damals als sicher.1

Dennoch kommt es vor, dass Polizeibeamte in Westafrika Methamphetamine, wenn sie ihnen begegnen, gar nicht erst erkennen. Ein Fall im Senegal im Februar dieses Jahres steht stellvertretend für die von der Droge überrumpelten Beamten: Dort fanden Polizisten Pillen in einem Bus. Sie hielten diese für Kopien von medizinischen Pillen. Dementsprechend schlecht gesichert lagen diese Tabletten dann auch in der Polizeistation herum. Erst als ein hochrangiger Beamter ein paar Tage später einen Blick auf die Pillen warf, stellte sich heraus, dass es sich um eine große Menge Methamphetamin handelte. Der geschätzte Marktwert in Tokyo, der wahrscheinlichen Destination der Ware, betrug 12 Millionen US-Dollar. Dieses Jahr wurden alleine im Senegal zwei solcher Ladungen konfisziert.

Nachdem man den Handel mit Kokain in Nigeria einigermaßen in den Griff bekommen hatte und Rekordmengen des Stoffes konfiszieren konnte, stellte man in den letzten Jahren fest, dass es immer mehr Crystal Meth im Land gab. Jedoch so gut wie keine Lieferungen in das Land kamen.2

Diese Ereignisse werfen ein Licht auf die neue Rolle, die Westafrika im internationalen Drogenmarkt einnimmt. Während Westafrika bisher eine Art Zwischenstation verschiedenster Drogen auf ihrem Weg nach Asien, Europa, dem mittleren Osten und Südafrika war, haben sich dort Banden organisiert, die nun selbst in die Drogenproduktion eingestiegen sind. Nigeria scheint einer der Hauptschauplätze dieses neuen Trends zu sein. Dort wurden seit 2010 zehn Untergrundlabore hochgenommen, die alle dazu geeignet waren, Methamphetamin im großen Stil herzustellen. Auch wenn die Rolle Nigerias im internationalen Methmarkt noch als gering angesehen wird, muss man bedenken, dass es dort vor fünf Jahren noch keinerlei Strukturen oder Funde gab, die auf die Produktion der Droge hinwiesen. Unter Berücksichtigung dieser Tatsache scheint es, als ob Nigeria das Potential hätte, innerhalb kürzester Zeit zu einem bedeutenden „Global Player“ zu werden.

Zentral- und südamerikanische Produzenten haben das Potential des Landes schon lange entdeckt. Vor allem mexikanische Drogenbanden schicken „Methköche“ nach Nigeria, um die lokalen Produzenten zu schulen. Diese Tatsache zeigt erneut, dass Westafrika ein großes Problem mit Drogen und Gewalt bekommen wird.3 Auch wenn die mexikanischen Drogenkartelle gerade unter Druck geraten und immer weiter in Richtung Südamerika ausweichen müssen, würden sie sich nicht für Westafrika interessieren, wenn dort nicht Drogen im großen Stil produziert werden könnten.

Nigeria könnten große soziale und politische Probleme bevorstehen, wenn es das Land nicht schafft, die Drogenproduktion einzudämmen, und die Region so für die Drogenbanden unattraktiv zu machen. Olusegun Obasanjo, ehemaliger Staatschef von Nigeria und jetziger Vorsitzender der Anti-Drogenkommission des Landes, warnt explizit vor den Folgen, die die Produktion von Meth haben könnte. Das Geld, welches durch Methamphetamin eingenommen wird, könnte in die Politik fließen und Korruption im großen Stile ermöglichen. Oder Drogenbarone könnten selbst Politiker werden und das Land tiefer in die Krise stürzen.4 Es bleibt zu hoffen, dass das Land es mit Hilfe der DEA und mexikanischen Behörden, die ihre Hilfe beim Kampf gegen die Drogen angeboten haben, schafft, das Methproblem in den Griff zu bekommen. Wie es enden kann, wenn die Drogenbanden es erstmal geschafft haben sich im Land festzusetzen und einflussreiche Positionen besetzen können, kann man an vielen Staaten Südamerikas sehen, die einen fast aussichtslosen Kampf mit vielen Opfern führen.

 

  1. Die Zeit: Der Seelenfresser – zuletzt aufgerufen am 12.08.15 []
  2. The Guardian: Homegrown crystal meth industry sparks west Africa crime wave – zuletzt aufgerufen am 12.08.15 []
  3. Reuters: Special Report: West Africa’s alarming growth industry – meth – zuletzt aufgerufen am 12.08.15 []
  4. The News (Nigeria): Obasanjo: Meth drug „business“ will destroy Nigeria’s politics – zuletzt aufgerufen am 12.08.15 []

Über Alexander / earthlink

Ich bin Student der Volkskunde/Europäische Ethnologie und absolviere mein Pflichtpraktikum bei Earthlink um einen Einblick in die Arbeit von NGOs zu erhalten. Wichtig ist mir, dass ich schon während dem Praktikum bei der Aufklärung helfen kann.
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