Honduras – Zwischen Drogenkriminalität und Polizeigewalt

Im Jahr 2009 soll die honduranische Polizei ein Killerkommando gegen den Drogenbeauftragten Julián Arístides González Iriás ausgeführt haben. Vor ein paar Tagen kamen in Honduras jahrelang verschwundene Daten ans Licht, die dies bestätigen. Der Kopf der honduranischen Anti-Drogen-Behörde war dafür berüchtigt, aktiv und erfolgreich gegen die Drogenbarone vorzugehen.  Als er sich am frühen Morgen des achten Dezembers auf den Weg in die Arbeit machte, wurde er von zwei Autos umzingelt und zum Anhalten gezwungen. Kurz darauf erschien ein Motorradfahrer und erschoss ihn durch das Seitenfenster seines Wagens.
Der Fall war nach drei Wochen gelöst. Ein paar Polizisten hatten wohl mit Drogenschmugglern zusammengearbeitet. Winter Blanco, ein Kartellboss der karibischen Küste, war mit den Offizieren im Gespräch. Gonzáles hatte fünf Monate vor der Tat einen Deal mit der Polizei verhindert, bei dem diese behilflich sein sollte, 143 Kilo Kokain von einem Rivalen zu stehlen

Zwei Jahre später ereignete sich derselbe Fall mit Alfredo Landaverde Hernández. Ein paar Tage nachdem er die Polizei öffentlich beschuldigt hatte, mit Drogenschmugglern zusammenzuarbeiten, verschwand der Berater der Anti-Drogen-Behörde. Dieselben Kommandeure wie bei Gonzáles sollen für den Mord verantwortlich gewesen sein. Ein kompletter Bericht über den Tatbestand erschien beim Vorsitzenden der Polizei schon vor Jahren, wurde jedoch nie an die Öffentlichkeit gebracht.

Die nun publizierten Unterlagen der Polizei, mit dem Stempel der Polizei-Hauptverwaltung versehen, sollen den Mordhergang belegen. (( nytimes.com: Files Suggest Honduran Police Leaders orders Killing of Antidrug Officials – Stand 15.04.2016 ))
Schon lange gab es Vorwürfe, dass die Polizei in die Entwicklungen verstrickt sei, die nun scheinbar bestätigt werden. Das Polizeipräsidium ist auch unter dem Namen „Casamata“ bekannt, was übersetzt Schlachthaus bedeutet. Die beiden beschuldigten Polizisten behaupten nun jedoch, dass die Dokumente gefälscht wurden. Dagegen spricht, dass der Außenminister von Honduras gleich nach der Veröffentlichung der Dokumente in der nationalen Zeitung El Heraldo zurücktrat. Dieser war auch der Minister für  Innere Sicherheit des Landes. (( insightcrime.org: Denials follow Revelations in Honduras Drug Czar´s Assassination – Stand 19.04.2016 )) 

Honduras ist eines der ärmsten Länder Lateinamerikas und zudem am meisten von Gewalt und Verbrechen betroffen. Dies ist auf seine Rolle als bedeutende Transitnation des Drogenhandels, die steigende Armut, Korruption und das politische Chaos zurückzuführen. Jedes Jahr durchqueren zwischen 140 und 300 Tonnen Kokain das Land. Kolumbianische Drogenschmuggler, mexikanische Kartelle und weitere transnationale kriminelle Gruppen steigern ihre Anwesenheit in Honduras. Der Untergrund des Landes lebt von mächtigen lokalen Gruppierungen, die mit politischen und ökonomischen Eliten zusammenarbeiten. Diese haben auch die honduranische Polizei durchdrungen, welche zu den korruptesten Sicherheitsbehörden Lateinamerikas gehört. Es gibt kein Vertrauen in die staatlichen Sicherheitskräfte. Willkürliche Inhaftierungen gehören zur Tagesordnung. Die Gefängnisse werden nicht vom Staat, sondern von Drogengangs kontrolliert. (( insightcrime.org: Honduras, Executive Summary – Stand 19.042016 )) 

Die Korruption, Straflosigkeit, chronische Gewalt und die Perspektivlosigkeit  im Land bewegen viele Menschen zur Flucht in die USA, weshalb die Obama-Regierung nun 750 Millionen Dollar an Hilfszahlungen in die Region schickt. Diese sollen für einen legitimen Aufbau des Systems mit mehr Chancenvielfalt genutzt werden. Das internationale Anti-Drogen-Komitee, das durch die Organisation der amerikanischen Staaten unterstützt wird, beginnt diese Woche mit seiner Arbeit.  (( nytimes.com: Files Suggest Honduran Police Leaders orders Killing of Antidrug Officials – Stand 15.04.2016 ))

Im letzten Jahr kam es häufig zu Protesten und Demonstrationen gegen das korrupte System in Honduras. Nach den Enthüllungen sind die Hoffnungen jetzt hoch, dass sich bald etwas verändert. Es ist eine besondere Zeit in Honduras, mit hohen Erwartungen an die Regierung und die Sicherheitsbehörden. Durch die derzeitigen Offenbarungen lässt sich nur hoffen, dass das Unrecht in der Strafverfolgung nun endlich adäquat bekämpft wird und die Drogenkriminalität nicht weiterhin mit Sicherheitsbehörden verstrickt ist.

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