Drogen in den USA: Immer mehr Heroin kommt aus Mexiko

Im vergangenen Jahrzehnt ist der Heroinkonsum in den USA stark angestiegen. Dementsprechend viel Geld lässt sich mit der Droge auf dem amerikanischen Markt verdienen: Schätzungen der Rand Corporation zufolge, einer Nonprofit-Organisation für die Beratung der amerikanischen Streitkräfte, haben amerikanische Konsumenten im Jahr 2014 27 Milliarden US-Dollar für Heroin ausgegeben. 2000 waren es noch 20 Milliarden.

Zentral- und südamerikanische Drogenkartelle haben darauf reagiert und die Produktion verstärkt. Das gilt insbesondere für Mexiko. Die US-amerikanischen Drogenbehörde DEA hat Zahlen vorgelegt, wonach der Anbau von Schlafmohn innerhalb von vier Jahren von 10.500 Hektar auf 17.000 Hektar angewachsen ist. Damit könnten 42 Tonnen Heroin produziert werden.

Noch bis vor wenigen Jahren war mexikanisches Heroin bei den zahlenden amerikanischen Kunden wenig beliebt. Es war von minderer Qualität, die Farbe war dunkler als beispielsweise die des kolumbianischen oder asiatischen Heroins.1  Mexikanische Drogenorganisationen haben deshalb in die Qualität ihres Produktes investiert: Das Sinaloa-Kartell etwa beschäftigt kolumbianische Heroinköche, die die Droge verfeinern. So ist ein neuer Typ Heroin entstanden, das aufgrund seiner helleren Farbe „Zimt“ genannt wird und sich auch im Osten der USA gut verkauft, wo vorher asiatisches Heroin dominierte.

Angesichts dieser Entwicklungen geht die DEA davon aus, das Sinaloa-Kartell habe den US-Markt unter seine Kontrolle gebracht. Den Beschreibungen der Behörde zufolge ist der Heroinhandel vertikal und streng hierarchisch organisiert, wobei das Sinaloa-Kartell jeden Schritt der Handelskette streng überwacht, vom Anbau bis zum Verkauf. Doch die Realität ist komplexer: Die mexikanischen Kartelle sind aufgesplittert in viele kleine Unterorganisationen, die teilweise unabhängig voneinander operieren. Die ehemals mächtigen Kartelle funktionieren heute eher wie Franchise-Unternehmen: Sie erlauben kleineren Gruppen, in ihrem Namen zu handeln. Deshalb ist der Markt stark fragmentiert und horizontal statt vertikal organisiert. Die Strategien im Kampf gegen den Drogenhandel müssen dieser neuen Situation angepasst werden.2  Denn selbst wenn die Köpfe beispielsweise des Sinaloa-Kartells gefasst werden, bedeutet das nicht automatisch, dass weniger Heroin in die USA gelangt. Die Händler der kleineren Unterorganisationen sind von solchen Festnahmen nicht betroffen, sie können ihren Geschäften weiter ungestört nachgehen.

Die Schlafmohnbauern sehen von dem großen Geld allerdings kaum etwas. Im mexikanischen Bundesstaat Guerrero etwa, wo es viele Mohnfelder gibt, leben sie in einfachen Hütten. Sie selbst finden keine Verwendung für ihr Produkt, sie benutzen die bittere Opium-Paste höchstens, um Zahnschmerzen zu stillen. Doch sie können nicht aufhören, Schlafmohn anzubauen, solange die Nachfrage ungebrochen ist und mit anderen landwirtschaftlichen Produkten kaum Geld zu verdienen ist. Von der Regierung können sie keine Unterstützung erwarten. Diese lässt die Mohnfelder mit Herbiziden besprühen, wenn sie entdeckt werden. Das Pflanzengift tötet die Blumen ab – genauso wie alles andere, das in der Nähe wächst. Dabei könnte das Geld, das dafür ausgegeben wird, viel besser eingesetzt werden: Zum Beispiel für Entwicklungsprogramme, die es den Kleinbauern ermöglichen, auf legale landwirtschaftliche Produkte umzusteigen.3

  1. insightcrime.org: Testimony on Drug Trade Highlights System´s Complexity – Artikel vom 27.05.2016 []
  2. insightcrime.org: Sinaloa Cartel´s Takeover of US Heroin Market Questionable – Artikel vom 26.05.2016 []
  3. theguardian.com: Mexican farmers turn to opium poppies to meet surge in US heroin demand – Artikel vom 02.02.2015 []
Dieser Beitrag wurde unter Gegenmaßnahme, Internationales abgelegt und mit , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.