Der letzte Tag des Krieges

Bild: © U.S. Department of State [Public Domain] - Wikimedia Commons

Über drei Jahre dauerten die Verhandlungen, über 50 Jahre lebten die Kolumbianer im blutigen Bürgerkrieg. Gestern unterzeichneten die Regierung und die linke Rebellengruppe FARC ein Waffenstillstandsabkommen.

Etwa 220.000 Menschen verloren im kolumbianischen Bürgerkrieg zwischen linken Guerillagruppen, rechten Paramilitärs und der Armee ihr Leben, fünf Millionen Kolumbianer wurden vertrieben. Die blutige Auseinandersetzung begann vor über 50 Jahren. In dieser Zeit gab es schon mehrmals den Versuch einer friedlichen Annäherung zwischen den Bürgerkriegsfronten. So versuchte die FARC bereits in den Achtzigerjahren mit ihrer Partei „Patriotische Union“ (UP) die politische Bühne zu betreten, was in der Ermordung mehrerer Tausend Parteimitglieder durch rechte Paramilitärs endete.1

Seit über drei Jahren gibt es nun schon Verhandlungen zwischen der FARC und der Regierung des lateinamerikanischen Landes. Gestern unterzeichneten Unterhändler der beiden Seiten unter den Augen des kolumbianischen Präsidenten Juan Manuel Santos und des FARC-Anführers Rodrigo Londoño Echeverri das Waffenstillstandsabkommen. Ort der gegenseitigen Annäherung war Kubas Hauptstadt Havanna, dessen Regierungschef Raúl Castro die Waffenruhe mitvermittelt hatte.2

Grundsätzliche Inhalte des Abkommens sind eine endgültige Waffenruhe auf beiden Seiten zugunsten eines politischen Dialoges, sowie die Einstellung der gegenseitigen Feindseligkeiten, der Kampf gegen kriminelle Organisationen und Nachfolgegenerationen des Paramilitarismus und der Schutz von Menschenrechtsverteidigern. Außerdem erklären sich Polizei und Militär dazu bereit, die linken FARC-Mitglieder nach deren Waffenniederlegung gegen rechte Paramilitärs zu schützen und man einigte sich auf eine Sonderjustiz mit dem Ziel, die Verbrechen der FARC aufzuarbeiten. Weitere Details sollen noch bekannt gegeben werden.3

Inwiefern sich an den Waffenstillstand gehalten wird, bleibt noch abzuwarten. Auch bleiben Konflikte mit kleineren Gruppierungen und Drogenclans bestehen. Es gibt auch Stimmen gegen das Abkommen mit der FARC, die sich hauptsächlich durch Drogenhandel und Erpressungen finanziert. Ob diese Verbrechen tatsächlich aufhören werden, oder die verbleibende Rebellengruppe ELN die Drogengeschäfte fortführen wird, ist ebenfalls ungewiss.4

Der kolumbianische Präsident Santos sieht aber großen Grund zur Hoffnung. Laut ihm sei der nächste wichtige Tag der 20. Juli, bis zu dem ein Friedensvertrag geschlossen werden könnte. Der 20. Juli ist zugleich der kolumbianische Unabhängigkeitstag. Auch dem FARC-Chef ist der Friedensvertrag ein großes Anliegen; „Möge dies der letzte Tag des Krieges sein“, sagte der Guerillaanführer sichtlich gerührt bei der feierlichen Unterzeichnung.5

  1. spiegel.de: Historisches Abkommen: Kolumbien und FARC besiegeln Waffenstillstand; 23. Juni 2016 []
  2. spiegel.de: Historisches Abkommen: Kolumbien und FARC besiegeln Waffenstillstand; 23. Juni 2016 []
  3. amerika21.de: Regierung von Kolumbien und FARC-Guerilla einigen sich auf Waffenstillstand; 23. Juni 2016 []
  4. tagesschau.de: Waffenstillstand mit FARC; 23. Juni 2016 []
  5. theguardian.com: Colombia and Farc rebels sign historic ceasefire deal to end 50-year conflict; 23. Juni 2016 []
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