Ersatzprogramm in Briceño – das Ende des Koka-Anbaus in Kolumbien?

Zerstörung von Koka-Anpflanzungen außerhalb des traditionellen Gürtels

Koka darf dem Gesetz zufolge in Yungas und im tropischen Tiefland von Cochabamba als Nahrungsmittel, Medizin, zu spirituellen Zwecken angebaut werden. | Bild: © Policía Nacional de los colombianos [CC BY-SA 2.0] - Wikimedia Commons

Die kolumbianische Regierung und die revolutionären Streitkräfte (FARC) haben sich auf ein freiwilliges Programm zur Substitution des Koka-Anbaus in Regionen rund um die Gemeinde Briceño, in der nordwestlichen Provinz Antioquia geeinigt.1 Die Vereinbarung betrifft aber nicht nur das Engagement hinsichtlich eines Ersatzes für den Koka-Anbau. Sie plant auch eine allgemeine Entwicklungsförderung des Territoriums und der Gemeinden.2 So sollen 450 Familien, die derzeit von der Koka-Industrie leben, unterstützt und ihnen die Möglichkeit gegeben werden, andere Feldfrüchte wie Kaffee und Passionsfrüchte anzubauen.  Kolumbien hat in der Vergangenheit schon Substitutionsprogramme durchgeführt, aber dieses Mal wird die FARC, die bis zu 70 Prozent des Koka-Anbaus kontrolliert, aktiv daran teilnehmen.1

Die Drogengeschäfte der FARC sind seit langem die primäre Einkommensquelle der Gruppe, abgesehen von anderen illegalen Aktivitäten wie Entführungen, Erpressung und illegalem Bergbau. Laut dem Chefankläger des Landes hat die Guerrilla aus dem Kokainhandel und dem Besteuern der Koka-Bauern seit 1995 mindestens 66 Millionen US-Dollar eingenommen.3

Die Regierung hat aus strategischen Gründen Briceño für das Projekt gewählt, weil die Gemeinde in der Nähe eines wichtigen Drogenumschlagplatzes liegt, wo das Kokain verarbeitet und zu den nahe gelegenen karibischen und pazifischen Küsten gebracht wird. Im Gegensatz zu vielen anderen Koka-Anbaugebieten des Landes gibt es in dieser Gemeinde eine relativ gute Infrastruktur und alternative Einkommensquellen. Die Regierung setzt außerdem den Bau des größten Staudamms des Landes fort, der Arbeitsplätze und Verbesserungen der Gesamtwirtschaft geschaffen hat.1

Die Antidrogen-Organisation der Vereinten Nationen, UNODC, wird den Prozess überwachen. Auch andere internationale Agenturen werden den Landwirten während des Übergangprozesses von illegalem Koka zu legalen Pflanzen helfen.4

Es gibt jedoch keine Garantie, dass die FARC langfristig in das Projekt eingebunden wird. Die Guerrilla hat durch die Besteuerung von Kokaprodukten zu einem großen Teil ihre Gruppe und viele kleine Bauern finanziert, so dass die Ermutigung der Landwirte, den Koka-Anbau zu ersetzen, der schwierigste Teil im Prozess des Substitutionsprogramms sein wird.

Auch wenn die FARC an einem bundesweiten Koka-Substitutionsprogramm aktiv teilnehmen würde, gibt es weitere illegale bewaffnete Gruppen, die die Kontrolle über Kolumbiens illegalen Drogen erlangen wollen. Sie würden ungern auf eine so wichtige Einnahmequelle verzichten. Außerdem haben viele Koka-Anbaugemeinschaften nicht das Glück wie Briceño, über alternative Einkommensquellen zu verfügen. Die Regierung hat nur begrenzte Ressourcen für die Entwicklung der betroffenen Gebiete. Es wird daher in der Zukunft schwierig sein, die Landwirte in diesen Gebieten davon zu überzeugen, ihren Koka-Anbau zu ersetzen und das Substitutionsprogramm in ganz Kolumbien zu fördern.1

  1. Insight Crime: FARC-Govt Coca Accord Plants Seeds of Change in Colombia – Stand: 15. Juni 2016 [] [] [] []
  2. El Espectador: Briceño se consolida como el municipio piloto de la paz – am 10. Juni 2016 []
  3. Colombia Reports: The FARC and drug trafficking: The evidence so far – am 9. Juni 2016 []
  4. Colombia Reports: Colombia’s pilot crop substitution program to begin on July 10 – am 17. Juni []
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