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Mara Salvatrucha: Die durch Drogen finanzierte Gewalt kennt keine Grenzen

Lucía Pérez Carvallo war elf Jahre alt, als sie Teil der„Mara Salvatrucha“ wurde, einer der gefährlichsten kriminellen Banden weltweit. Bereits mit 12 Jahren begann Carvallo ihren ersten Mord. Die Aufnahme-Rituale sind brutal: „In Guatemala wurden in den letzten zwei Jahren 300 Busfahrer getötet, weil das in dem Land die Bedingung für die Aufnahme ist“, erklärt Andreas Böhm, der ein Buch über die Gang geschrieben hat. | Bild: © n.v.

Lucía Pérez Carvallo war elf Jahre alt, als sie Teil der „Mara Salvatrucha“ wurde, einer der gefährlichsten kriminellen Banden weltweit. Bereits mit 12 Jahren begann Carvallo ihren ersten Mord. Die Aufnahme-Rituale sind brutal: „In Guatemala wurden in den letzten zwei Jahren 300 Busfahrer getötet, weil das in dem Land die Bedingung für die Aufnahme ist“, erklärt Andreas Böhm, der ein Buch über die Gang geschrieben hat. Zum Aufnahme-Test gehört außerdem eine Prügelorgie von der Gruppe, der sich der Anwärter ausliefern muss. Hat man diese Tortur überlebt, ist man Mitglied der Gang. Frauen werden zur Aufnahme verprügelt oder vergewaltigt. So auch Carvallo, die noch immer mit zitternder Stimme von ihren Erlebnissen berichtet: „Der Chef sagte, ich müsse zeigen, dass ich eine starke Frau sei, und so haben sie mich der Reihe nach vergewaltigt. Ich weinte vor Schmerz, bis ich das Bewusstsein verlor.“ Carvallo hat als eine unter wenigen den Ausstieg aus der Bande geschafft und sitzt nun für die nächsten 35 Jahre ihre Haftstrafe ab.  1)

Auch bekannt als „MS-13“ ist Mara Salvatrucha die derzeit am schnellsten wachsende Gang der Welt. In Honduras, El Savador und Guatemala gibt es kaum mehr ein Viertel, das nicht von Mitgliedern der MS-13 bewohnt wird. Drogenhandel und Schutzgeld dienen dabei als Mittel zum Zweck und unterstützen die Gang in ihrer Finanzierung. Sie sind den bekannten mexikanischen Drogenkartellen „Zetas“ und „Sinaloa“ sehr nützlich, indem sie für den reibungslosen Transport der Drogen durch die Transitländer sorgen. Die mit der Dienstleistung für die Drogenkartelle einhergehenden Einnahmen werden dann dafür eingesetzt, Angehörige rivalisierender Banden zu töten und das Territorium zu verteidigen. Mitglieder der kriminellen Gangs werden selten älter als 30 Jahre. Die meisten kommen in Straßen- und Bandenkämpfen ums Leben.  2)

Die vorherrschende Gewalt und Skrupellosigkeit sind dabei auf die Geschichte der Bande zurückzuführen. Während des Bürgerkrieges flohen tausende salvadorianische Bürger in die Vereinigten Staaten. In Städten wie Los Angeles waren die Latino-Flüchtlinge jedoch nicht erwünscht, sodass sie von lokalen Banden ausgeraubt, erpresst und terrorisiert wurden. Um sich zu verteidigen, schlossen sie sich zusammen und benutzten ihre traditionellen landwirtschaftlichen Werkzeuge als Waffen. Als Folge der Verrohung durch den Bürgerkrieg gingen sie dabei mit bis dahin beispielloser Gewalt vor und bereiteten ihren Opfern einen qualvollen Tod. Mit dem Friedensabkommen von Chapultepec im Jahr 1992 kehrten sie nach Südamerika zurück und führten den Krieg ihrer Gangs dort weiter. Als stärkster Rivale stellte sich hier die benachbarte Drogenbande „Barrio-18“ heraus. Aufgrund des grenzenlosen Hasses werden die Mitglieder beider Banden inzwischen sogar getrennt voneinander in verschiedenen Gefängnissen untergebracht. 2)

Trotz der alarmierenden Situation kann die Polizei immer wieder Erfolge im Kampf gegen die gewaltsame Kriminalität erzielen. In der honduranischen Stadt Tegucigalpa beispielsweise konnten im Rahmen der Operation „Cazador“ 20 Mitglieder festgenommen werden, darunter befand sich auch die wichtige Leitfigur Jose Daniel Villegas Castro. Er wurde unter anderem immer wieder in Verbindung mit dem Drogenhandel gebracht und gilt als Auftraggeber mehrerer Killerkommandos.  3)

Fußnoten (Hinweise, Quellen, Links)

  1. bild.de: Mit 12 Jahren beging Lucía ihren ersten Mord – Artikel vom 28. August 2013
  2. insightcrime.org: MS13 – Stand: 22. Juni 2016
  3. bolsamania.com: Al menos 20 detenidos en una operación contra las maras en Tegucigalpa, entre ellos el líder de ‚Salvatrucha‘ – Artikel vom 21. Juni 2016

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