Don’t Cry Argentina: die neue Regierung nimmt den Kampf gegen Drogen wieder auf

Argentinische Polizeikräfte werden demnächst wieder an multinationalen Anti-Drogen-Operationen teilnehmen

Argentinische Polizeikräfte werden demnächst wieder an multinationalen Anti-Drogen-Operationen teilnehmen | Bild: © Global Panorama [CC BY-SA 2.0] - Flickr

Seit 2014 hat die argentinische Regierung die internationale Zusammenarbeit seiner Sicherheitskräfte im Kampf gegen den Drogenschmuggel radikal eingeschränkt. Im letzten Jahr wurde sie komplett eingestellt. Jetzt gibt es eine neue Regierung unter Präsident Mauricio Macri, die erneut engen Kontakt zu anderen Nationen sucht, um dem organisierten Verbrechen Einhalt zu gebieten.1

Künftig will Argentinien wieder Teil multinationaler Operationen gegen den Drogenhandel sein. Auch die neue Sicherheitsministerin Patricia Bullrich stimmte der Wiederaufnahme der jüngst erloschenen Beziehungen zu ausländischen Behörden zu. Sicherheitsbeamte und Militärpersonal sollen in ihre alten Positionen in argentinischen Botschaften in ganz Lateinamerika zurückkehren. Besonderes Augenmerk wird auf der Kooperation mit Kolumbien, Bolivien und Peru liegen. Auch in Frankreich und China sollen die Streitkräfte wieder Position beziehen. Die Bundespolizei hat ihr Ausbildungsprogramm in den USA bereits wieder aufgenommen und wird erneut in Brasilien, Mexiko und Spanien eingesetzt werden. In London und Paraguay soll die argentinische Küstenwache erneut zum Einsatz kommen. Die Hauptidee hinter dem neuen Kurs der Regierung ist ein erfolgreicheres Vorgehen gegen Drogenschmuggler aufgrund besserer Informationsflüsse und flächendeckender Überwachung der Drogenrouten mit Einsatzkräften anderer Nationen. In Sachen Drogenpolitik verfolgt die neue Regierung Argentiniens eine klare Linie zur Stärkung der nationalen und internationalen Sicherheit durch die Eindämmung von Drogenhandel und organisiertem Verbrechen.1

Argentiniens Drogenproblem rührt von seinem Status als Herstellungs-, Konsum- und Transitland von Rauschmitteln. Allein im Norden des Landes gibt es ungefähr 1.500 Landebahnen für Flugzeuge, die kriminelle Organisationen zur Einfuhr von Drogen aus Bolivien, Peru und Paraguay nutzen. Auch Kokainpaste wird nach Argentinien gebracht, aus der Kokain hergestellt werden kann. So kann die Droge produziert werden, ohne dass Koka-Sträucher angepflanzt werden müssen. Einige Landeplätze sind geheim. Die meisten sind zwar offiziell bekannt, doch vor dem Machtwechsel in Argentinien ließ die ehemalige Regierung die Schmuggler gewähren. Die argentinische Soziologin Adriana Rossi forscht seit über 25 Jahren über den Drogenhandel im eigenen Land. Ihr Zufolge sind in Argentinien Drogenproduktion, -konsum und -export im letzten Jahrzehnt erheblich angestiegen. Laut den Vereinten Nationen konsumiert Argentinien mehr Kokain als jedes andere Land Lateinamerikas. Zunächst realisierten Politiker die prekäre Situation nicht. Später verschafften sie sich eigene Vorteile. Sie ignorierten die in Argentinien operierenden Kartelle weitgehend. Als Gegenleistung sahen die kriminellen Organisationen vor Wahlen von Gewalt-Exzessen ab. Besonders die junge Bevölkerung des Landes leidet unter dem organisierten Verbrechen. Beinahe die Hälfte aller Todesopfer ist zwischen 15 und 24 Jahre alt. Kartelle rekrutieren oft Kinder als Kämpfer oder Verkäufer. Nun hat die neue Regierung angekündigt, das Drogenproblem von Grund auf anders anzugehen als ihre Vorgänger.2

Ein aktuelles Beispiel für den Erfolg bilateraler Einsätze gegen Drogenringe ist die Operation „Quijarro“. Brasilianische und bolivianische Sicherheitskräfte gingen Ende Juni dieses Jahres gemeinsam gegen eine international agierende Drogenorganisation vor. Nachrichtenorganisationen der beiden Länder sprachen von 30 verhafteten Verdächtigen und drei sichergestellten Tonnen Kokain.3 Internationale Zusammenarbeit könnte der Schlüssel im Kampf gegen den Drogenschmuggel sein. Sowohl Herkunfts- als auch Konsumländer von illegalen Rauschmitteln leiden unter dem Handel. Solange die Nachfrage in europäischen, asiatischen und auch afrikanischen Ländern hoch bleibt, verliert der Schmuggel für die Kartelle nicht an Anreiz. Eine Kombination aus internationalen Polizeikontrollen und Aufklärungsarbeit wird nötig sein, um dem organisierten Verbrechen Einhalt zu gebieten. Vor allem in Europa ist Aufklärung so wichtig, weil dort kaum Drogen produziert werden. Die Bevölkerung ist sich weitgehend nicht darüber bewusst, welchen Schaden das Drogengeschäft und die so finanzierten Kartelle in Ländern wie Mexiko, Kolumbien und Argentinien anrichten.

  1. InSight Crime: Argentina Looks to International Cooperation to Curb Drug Traffic; 20. Juli 2016 [] []
  2. Frankfurter Rundschau: Von Drogen regiert; 09. März 2016 []
  3. InSight Crime: Brazil, Bolivia Gang Up on International Drug Ring; 01. Juli 2016 []
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