Paraguay: Erfolgreiche Zerstörung von Marihuana-Plantagen – Ursachenbekämpfung: Fehlanzeige

Den paraguayischen und brasilianischen Sicherheitskräften gelang kürzlich mit einem gemeinsamen Einsatz in der Grenzregion der beiden Staaten ein bedeutender Schlag gegen den Drogenschmuggel. Im paraguayischen Pedro Juan Caballero wurden insgesamt 553 Tonnen Marihuana aus dem Verkehr gezogen. Davon wurden 67 Tonnen bereits geerntete und versandfertige Betäubungsmittel zerstört sowie 486 Tonnen nicht geerntetes Marihuana noch auf den Feldern verbrannt. Den Drogenbanden wurde damit ein herber Verlust zugefügt. Der Marktpreis der vernichteten Drogen beläuft sich auf ca. 16,6 Millionen US-Dollar. Bereits seit 2013 arbeiten Paraguays SENAD und die brasilianische Bundespolizei unter der „New Alliance“ zusammen. Seither konnte der Verkauf von fast 7.000 Tonnen Marihuana, dem Äquivalent zu 212,3 Millionen US Dollar, verhindert werden.1

Doch alleine mit der Zerstörung der schnell verlegbaren und anzulegenden Felder ist es nicht getan. Paraguay bleibt auch nach wie vor der größte Produzent von Marihuana in Südamerika. Eine 2014 durchgeführte Untersuchung der Nachrichtenorganisation Insight Crime schätzt, dass das Land pro Jahr 40.000 Tonnen der Droge herstellt, von denen das Meiste in Brasilien konsumiert wird. Eine Zusammenarbeit der Anti-Drogen-Behörden beider Länder ist also wünschenswert. Allerdings erscheinen 7.000 Tonnen vernichteten im Vergleich zu geschätzten 120.000 Tonnen produzierten Marihuanas verschwindend gering.1

Das Problem besteht in Paraguay vor allem in der großen Anzahl an kleinen und mittleren Produzenten, die sich größtenteils aus armen Bauern zusammensetzen. Diese sind entweder aus Armut oder durch die Kartelle gezwungen, ihre Felder für den Anbau von Marihuana umzustellen. Die Folge ist ein in höchstem Maße dezentraler Anbau der Droge, der den Kampf gegen das Rauschgift besonders aufwändig und teuer gestaltet. Das ist wie angedeutet jedoch nur geringfügig auf den aktiven Zwang der Kartelle zurückzuführen, sondern insbesondere eine Folge der krassen sozialen Ungleichheit in Paraguay. 2,5 Prozent der Bevölkerung kontrollieren 80 Prozent des Landes und nur 161 Menschen verfügen über 90 Prozent des Vermögens. Da der Anbau von Marihuana bis zu zehnmal mehr einbringt als die traditionelle Anpflanzung der Manioc, treiben die sozialen Spannungen die Leute, die nicht bereits in die Städte abgewandert sind, zu Tausenden in die Hände der Kartelle. ((The Guardian: Paraguay deploys anti-narco top guns to combat economic need for weed; Artikel vom 25.06.2015))

Die erfolgreiche aber bei weitem nicht ausreichende Zerstörung der Marihuanafelder im paraguayisch-brasilianischen Grenzgebiet wird weiter ein wichtiger Bestandteil des Kampfes gegen die Droge sein. Sollte diese Taktik allerdings nicht mit einer faireren Verteilung des großen wirtschaftlichen Wachstums des Landes einhergehen, die die Landbevölkerung mit einschließt, wird sich dieser Krieg wie Herakles Kampf mit der Hydra gestallten: vernichtet die SENAD ein Feld, werden zwei neue entstehen.

  1. Insight Crime: Paraguay, Brazil Joint Operation Nets 67 Metric Tons of Marijuana; Artikel vom 26.07.2016 [] []

Über Domenick / earthlink

Ich studiere Politik und Soziologie an der LMU München. Globale und gesellschaftliche Ungleichheiten sind die Hauptgründe für Kriminalität, Kriege und Flüchtlingsbewegungen. Ich bin Praktikant bei earthlink e.V., um die Menschen weiter über diese Zusammenhänge aufzuklären.
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