Paco: Eine Droge, die Arme noch ärmer macht

Drogen mit Pfeife rauchen

Bild: © Jordi Bernabeu Farrús [CC BY 2.0] - flickr

Paco ist eine sehr gefährliche Droge, die vor allem in den Armenvierteln Argentiniens, Uruguays und Südbrasiliens verbreitet ist. Das Rauschmittel wird auch Kokain-Basispaste genannt und besteht aus Zwischen- und Abfallprodukten der Kokainherstellung. Dabei werden Kokablätter mit Wasser und Schwefelsäure aufgekocht. Bei diesem Vorgang setzen sich Kokainsulfat sowie andere Abfälle ab, woraus die Droge Paco entsteht. Dieses wird oft mit gemahlenem Glas, Kerosin, Rattengift oder sonstigen Chemikalien gestreckt.

Das Rauschmittel wird meistens in selbst gebastelten kleinen Pfeifen geraucht, vermischt mit Tabak, Zigarettenasche oder Stahlwolle.1 Paco wird zerkleinert in Päckchen verkauft. Eine Portion kostet ungefähr zwei Pesos, also 20 bis 25 Cent. Der Trip beginnt direkt beim Rauchen und dauert nur ungefähr zwei Minuten. Es wirkt wie Kokain, euphorisierend und stillt Schmerz und Hunger. Durch die enthaltenen Schadstoffe ist es jedoch viel unberechenbarer und gefährlicher als das reine weiße Pulver. Es macht schnell abhängig und depressiv, da nach dem kurzen Rausch wieder die Realität ins Bewusstsein tritt. Ein Päckchen der Droge ist zwar extrem billig, Süchtige brauchen aber zwischen 50 und 150 Portionen am Tag. In den Slums der Hauptstadt Argentiniens ist das Rauschmittel sehr verbreitet.

Der Konsum stieg nach der Wirtschaftskrise 2001 um 500 Prozent an, da sehr viele Argentinier ihren Job verloren und in die Armut stürzten. Auf Rat der Vereinten Nationen wurde die Beschaffung von Chemikalien in den Kokaländern Peru, Kolumbien und Bolivien erschwert. Dadurch wurde die Kokainproduktion in andere Länder wie Argentinien verlagert, wo die Produktionsmittel leichter zu beschaffen waren. Somit kamen die Einwohner dort dann auch zu den Abfallprodukten.

Viele Jugendliche in den Elendsvierteln fangen an, Paco zu rauchen, da sie die wirtschaftlichen oder familiären Probleme nicht mehr ertragen wollen. Damit sich die Süchtigen die Droge leisten können, fangen sie oft an zu stehlen. Paco macht aus den Konsumenten Wracks. Da es den Hunger stillt, sind die Junkies abgemagert und sehen aus wie „lebende Tote“, so werden sie genannt. Jeremias Albano wuchs in einem Slum in der Vorstadt von Buenos Aires auf. Er ist 19 Jahre alt, schlief kaum mehr, nahm fast keine Nahrung mehr zu sich. Er wog am Ende 46 Kilo, bei einer Körpergröße von über 1,80 Meter. Der Blick des Jungen wurde leer, die Augen glasig. Durch den Nährstoffmangel bekam die Haut Flecken und Blasen und seine Lippen platzten auf. Er stahl immer mehr Alltagsgegenstände aus dem Haus, um sich Paco leisten zu können und irgendwann kam er halb nackt und ohne Schuhe zurück, da er alles verkauft hatte.2 Andere Süchtige leiden unter Psychosen und schmerzhaften Krampfanfällen, was zu erneutem Konsum führt. Täglich sterben in Argentinien sieben Paco-Junkies an einem Herzstillstand oder am Hungertod.3

Im Armenviertel Oculta konsumieren rund 80 Prozent der Bewohner Paco. Manchen Jugendlichen wird geholfen, sie werden in eine Entzugsklinik gebracht. Aber viele liegen in den Ecken, haben nichts mehr und sehen fast aus wie Leichen. Manche Kinder beginnen mit neun Jahren zu rauchen. In diesem Viertel sind schon manche elf-Jährige wegen Paco gestorben.4

Die Mütter sehen, wie ihre Kinder an den Folgen der Billigdroge kaputt gehen. Sie  versuchen etwas dagegen zu tun. Deswegen haben sich in einem anderen Viertel in der Vorstadt Mütter zusammengeschlossen, um gegen den Drogenhandel vorzugehen. Sie stellen sich an die Verkaufsorte und bitten die Dealer mit dem Vertrieb aufzuhören, da ihre Kinder irgendwann sterben werden. Die Händler finanzieren aber oft ihre eigenen Kinder durch die Drogen. Der Verkauf geht trotz des Aufstands der Mütter weiter, er hat sich jedoch schon um die Hälfte verringert. Viele von ihnen haben Kinder, die durch Paco gestorben sind, oder so stark abhängig sind, dass sie suizidgefährdet sind. Manche Jugendlichen wollen auch einen Entzug machen, aber es ist ohne Hilfe kaum zu schaffen und die Kliniken haben oft keine freien Plätze. Inzwischen tut sich auch die Polizei leichter gegen die Drogendealer vorzugehen, da sie durch die Mütter wichtige Informationen bekommt. Trotzdem fordern die Frauen mehr Hilfe von Seiten des Staates, damit sie Paco bekämpfen können. Leider sind die meisten Süchtigen von ihren Familien verstoßen und somit ganz allein. Für sie ist öffentliche Hilfe umso wichtiger.5

  1.   Wikipedia: Paco (Droge); letzte Änderung: 05.06.2016 []
  2. SZ: Der Kampf gegen die Billigdroge Paco; Drogen in Argentinien; Artikel vom 22.05.2010 []
  3. Welt: „Paco“ macht aus Menschen schlagartig ein Wrack; Drogen; Artikel vom 01.09.2015 []
  4. La Vanguardia: „Paco“, una droga peor que el crack que arrasa en las villas miseria de Argentina; Video vom 18.09.2016 []
  5. Deutschlandfunk: Paco bringt den Tod; argentinische Mütter wehren sich gegen Dealer; Artikel vom 16.02.2008 []

Über Lorina / earthlink

Ich habe letztes Jahr mein Abi gemacht und interessiere mich für internationale Zusammenhänge und soziales Engagement. Ich möchte in verschiedene Berufe Einblick erhalten und deswegen freue ich mich EarthLink das nächste halbe Jahr als Bundesfreiwillige unterstützen zu können!
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