Südamerika: Kokainkonsum in Europa ist verantwortlich für die Macht der Kartelle

Symboldbild | Bild: © The National Crime Agency [CC BY 2.0] - flickr

Die Methoden um Kokain zu schmuggeln werden immer kreativer. Das wertvolle weiße Pulver wurde schon in Schuhen, Bibeln oder vielem mehr gefunden. Aber auch Grillkohlebriketts, Brustimplantate oder Plastikfrüchte dienen als Versteck für Kokain.1 Erst letzte Woche wurden vom Duisburger Zollamt auf der A3 in einem Auto haufenweise Drogen sichergestellt. Die Päckchen wurden unter dem Armaturenbrett versteckt. Insgesamt stießen die Fahnder auf 4,3 Kilogramm Amphetamine und über 300 Gramm Marihuana. Ein weiteres Auto enthielt im Fahrzeug 8,3 Kilogramm Kokain, in Folien eingewickelt sowie Pistolen mit zugehöriger Munition. Die Autos kamen alle aus den Niederlanden.2

Kokain wird zwar nicht in unserem Nachbarland hergestellt, aber die Niederlande haben Zugang zum Meer. Denn das illegale Rauschmittel wird per Seeweg nach Belgien, die Niederlande oder direkt nach Deutschland gebracht. So wurden Anfang des Jahres in drei großen Frachtern mehr als 300 Kilogramm Kokain gefunden. Die Schiffe luden allesamt Baumaschinen aus Brasilien. In den Motorräumen der Bagger wurden in Plastik verpackte Kokainpäckchen versteckt. Für die Drogenfahnder keine Neuheit: Bereits im letzten Jahr konnten 100 Kilogramm im Inneren von Baumaschinen gefunden werden.

Die Ozeane sind für das weiße Pulver der wohl wichtigste Schmuggelweg. In Bolivien, Kolumbien und Peru wird Koka angebaut, das Ausgangsprodukt für das Rauschmittel. Da Peru und Bolivien, im Gegensatz zu Kolumbien, keinen direkten Zugang zum Atlantik haben, wird vor allem über Brasilien geschmuggelt. Die Grenzen nach Brasilien werden nur schlecht kontrolliert und von dort aus kann das fertige Kokain nach Europa gebracht werden. In den europäischen Ländern wird dann das weiße Pulver jährlich in Höhe eines Marktwertes von 5,7 Millionen Euro konsumiert.3 Aus dem Jahresbericht zur Rauschgiftkriminalität lässt sich entnehmen, dass in den letzten Jahren die Drogenkonsumenten zunahmen. Im Jahr 2015 waren es sieben Prozent mehr Kokainkonsumenten im Vergleich zum Vorjahr und auch die Zahl der Drogentoten stieg um ein Fünftel, auf knapp 1 300 jährlich, an.4

In Rotterdam werden von den jährlich elf Millionen ankommenden Containern lediglich 50 000 durchsucht. Somit ist die Dunkelziffer wahrscheinlich enorm, denn nur zehn Tonnen Kokain wurden im Jahr 2013 beschlagnahmt. Das erklärt, warum der Schiffsverkehr oft für den Kokainschmuggel in Frage kommt. Der erste Schmuggelweg findet, wie bereits erwähnt, meist über Brasilien statt. Da die Grenzen hauptsächlich im Amazonasgebiet liegen, können die Kartelle die Rauschmittel leicht bis zum Atlantik befördern. Dabei ist die erhebliche Preissteigerung zu beachten. In Peru würde ein Kilogramm Kokain 1 000 Dollar kosten, allein in Manaus oder São Paulo kostet es schon 5 000 – 7 000 Dollar.56 In Europa kostet es dann bis zu 900 000 Dollar.7

Durch den großen Absatzmarkt gewinnen die Drogenkartelle in Südamerika immer mehr an Macht und Einfluss. Durch die Korruption in vielen südamerikanischen Ländern konnten sie sich relativ leicht ihren Einfluss in staatliche Institutionen erkaufen. Zudem kämpfen viele Kokabauern um ihre Existenz. Sie sind abhängig von den Kartellen, für sie bleibt nur noch der Anbau von Koka, um ihre Familien zu ernähren. Die Kartelle bekriegen sich gegenseitig um die Vorherrschaft über die Schmuggelwege. Morde, Erpressungen und Raub sind keine Seltenheit. Somit wird durch den Konsum der westlichen Länder wie die USA und auch Europa der Drogenkrieg in Südamerika erst richtig angeheizt.8

  1. focus: Das sind die dreisten Methoden der Schmuggler; Artikel vom 21.10.2014 []
  2. RP Online: Kokain im Armaturenbrett; Duisburg; Artikel vom 04.11.2016 []
  3. Welt: Wie Kokainschmuggler an Europas Logistik scheitern; Drogenmarkt; Artikel vom 09.04.2016 []
  4. tagesschau: Heroin und Kokain – ein  zunehmendes Problem; Artikel nicht mehr verfügbar []
  5. Tages Anzeiger: Brasilien wird zum Kokainparadies; Die Fussball WM 2014; Artikel vom 14.06.2014 []
  6. InSight Crime: New Report Offers Details on Cocaine Traffic to Europe; Artikel vom 02.06.2016 []
  7. Zeit: Drogenkonsum in Deutschland; Zeit-Online-Drogenbericht 2014; Artikel vom 10.06.2015 []
  8. WZ: Südamerika im Drogensumpf; Artikel vom 06.12.2011 – nicht mehr verfügbar []

Über Lorina / earthlink

Ich habe letztes Jahr mein Abi gemacht und interessiere mich für internationale Zusammenhänge und soziales Engagement. Ich möchte in verschiedene Berufe Einblick erhalten und deswegen freue ich mich EarthLink das nächste halbe Jahr als Bundesfreiwillige unterstützen zu können!
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