Microtrafficking: Drogenumschlagsplätze in Lateinamerika verstärken lokalen Konsum

Kokainkonsum

Bild: © Photopips - Dreamstime

Die Prämissen des Drogenhandels  haben sich laut einer Studie, die von der Päpstlichen Katholischen Universität Argentinien (Universidad Católica Argentina – UCA)  durchgeführt wurde, in den letzten Jahren verändert, beziehungsweise weiterentwickelt. „Microtrafficking“ nimmt eine immer zentralere Rolle im modernen Vertrieb von illegalen Substanzen ein. Mit den Worten Drogenhandel und Lateinamerika assoziiert man normalerweise den Vertrieb erheblicher Mengen an Rauschgift, die über die Karibik in die USA, Kanada oder nach Europa gebracht werden. Dabei handelt es sich um ein internationales Problem. Momentan haben aber viele lateinamerikanische Länder, die als Transitpunkte im internationalen Markt gelten, jeweils ihr eigenes Drogenproblem.

2010 haben beispielsweise nur etwa 30 Prozent der argentinischen Bevölkerung geäußert, dass sie über Drogengeschäfte in ihrer eigenen Nachbarschaft Bescheid wissen. Sechs Jahre später handelt es sich bereits um fast die Hälfte der Bevölkerung, die von zwielichtigen Geschäften berichtet.1

Dieses sogenannte „Microtrafficking“ ist immer häufiger zu beobachten. Es sind zwar keine präzisen Zahlen existent, aber in Mexiko, Caracas, San Juan, Puerto Rico, der Dominikanischen Republik, Peru, Brasilien, Argentinien und noch vielen weiteren lateinamerikanischen Standorten sind sich die Behörden einig, dass der Binnenmarkt ein wachsendes Problem darstelt und als immer schwerer zu bekämpfen gilt. Dieses Problem ist zum Teil auf die vielen Drogenumschlagplätze zurückzuführen. So ist es vorwiegend in den Hauptstädten ein Leichtes, kriminelle Gruppen und Jugendliche zu rekrutieren, um die illegalen Substanzen in Umlauf zu bringen.

Abgesehen davon tendiert die Form der Bezahlung dieser Dealer-Aktivitäten immer mehr zu Naturalien. Ein Teil der Drogen bleibt also im eigenen Land. Dieser Trend hat sich mittlerweile durchgesetzt und einen immer größer werdenden Kreis von Abhängigen geschaffen. Demnach gibt es genügend Kunden und der Vertrieb von Drogen gilt als lukrative Möglichkeit in Lateinamerika Geld zu verdienen. Zudem haben gesetzliche Bemühungen gegen den internationalen Drogenhandel einige kriminelle Organisationen dazu veranlasst, die Abnehmer auf nationalem Boden zu suchen.2

Daraus resultiert die Annahme, dass der Anstieg des Handels und Konsums im Inland unvermeidlich ist, wenn es sich bei dem Standort um einen Transitpunkt im internationalen Markt handelt. Bisher waren überwiegend Drogen wie Marihuana, Kokain, Heroin und Crack bei den Abnehmern gefragt. Mittlerweile werden aber auch synthetische Drogen immer beliebter, vor allem bei Universitätsstudenten. Bisher wurden im Jahr 2017 im Nordwesten Argentiniens, in der Provinz Jujuy, bereits mehr als 90 000 Dosen Ecstasy beschlagnahmt. Das ist in etwa die fünffache Menge an Ecstasy, die 2015 beschlagnahmt wurde.

Die argentinische Tageszeitung La Nación hat vor kurzem eine weitere Handelsroute für Ecstasy ermittelt, die durch die Pampas und die nordwestlichen Provinzen des Landes an Bolivien und Paraguay grenzt und so eine Möglichkeit darstellt, diese Staaten im kleinen Rahmen zu beliefern.3

Um das Problem anzugehen, sollten sich die Behörden ein umfassendes Bild vom Trend des wachsenden Drogenkonsums im eigenen Land und den damit einhergehenden Konsequenzen machen. Strategien, die über Repression und Strafverfolgung hinausgehen, und Gesundheitsprogramme wie beispielsweise Entzugstherapien berücksichtigen, wären erfoderlich.

Abgesehen davon ist es wesentlich zu berücksichtigen, dass vor allem junge Erwachsene aus sozial schwachen Haushalten sowohl für den Drogenhandel als auch für den Konsum anfälliger sind. Somit wären bildungsfördernde Maßnahmen ein Schritt in die richtige Richtung.

 

  1. InSight Crime: Micro-Trafficking A Growing Threat Across LatAm; Artikel vom 09.12.13 []
  2. DomRep Total: Dominikanische Republik: Mikrohandel mit Drogen ein großes Problem; Artikel vom 31.07.15 []
  3. InSight Crime: Microtrafficking Grows, New Drug Routes Emerge in Argentina; Artikel vom 02.05.17 []
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