Jamaika: Steigende Mordrate trotz liberaler Drogenpolitik

Bild: © Yellowj - Dreamstime.com

Die schockierende Realität: Die jamaikanische Mordrate ist im Vergleich zum letzten Jahr fast um 20 Prozent gestiegen. Seit Januar mussten 639 Menschen ihr Leben lassen. Anfang Juni wurden innerhalb einer Woche 33 Menschen in ländlichen Regionen und 21 in städtischen Regionen ermordet. Die Morde sind hauptsächlich eine Folge der Rivalität verschiedener Gangs, welche sich mit dem Drogenhandel finanzieren. Seit 2009 schien die Rate zu sinken, aber seit 2014 steigt sie. (( Insight Crime: Why Jamaica’s homicide rate up 20 percent; Artikel vom 20.06.2017)). Die Situation im Land hat sich seit der Festnahme 2010 von Christopher „Dudus“ Coke stetig verschlechtert. Er galt als der mächtigste Mann  Jamaikas und als einer der berüchtigtsten Drogenhändler der Welt. Coke stieg in die Fußstampfen seines Vaters, welcher in Haft nach einem mysteriösen Feuergefecht starb. Er übernimmt daraufhin die „Shower Posse“, die Gang seines Vaters und wird über die Jahre zu einem der gefürchtetsten Drogenbosse. Er wird von der Regierung geduldet, obwohl er mit dieser auch Auseinandersetzungen hat. Coke ist beim Volk beliebt, da er es vor anderen Gangs schützt und die Gemeinschaft in seinem Ort „Tivoli Garden“ finanziell und materiell unterstützt. Die Regierung duldete ihn, da er für eine Art „Frieden“ sorgte und eine der zwei wichtigsten politischen Parteien in Jamaika finanzierte und dieser zu Wahlstimmen verhalf. Dieser Frieden ist nun nicht mehr gegeben.1.2. Jamaikas Drogenpolitik wurde nach dem Boom in den 1970er und 1980er Jahren strikter. Offiziell wurde Marihuana 1913 verboten. Nicht nur Cannabis erlebte eine Hochzeit sondern auch Kokain wurde exportiert. Fortan wurde schon der reine Besitz dieser Drogen unter Strafe gestellt. Die Gesetze wurden 2015 wieder gelockert. Der Konsum an öffentlichen Orten ist immer noch strafbar, aber der Besitz von bis zu 57 Gramm Marihuana ist nun nicht mehr verboten. Desweitern hat das neue Gesetz, umgangssprachlich „ganja law“, den Konsum zu medizinischen, religiösen und wissenschaftlichen Zwecken legalisiert. Jamaika erhofft sich mit diesen Lockerungen nicht nur den medizinischen Tourismus zu fördern, sondern auch legal mit Cannabis die Wirtschaft anzukurbeln. Das Land möchte staatlich überwachte Flächen bebauen, um das produzierte Cannabis für medizinische Zwecke ins Ausland zu exportieren. Hauptimporteur sind die USA.3. (( Jamaica Observer: Ganja law gets green light; Artikel vom 24.02.2015 )).4. Die Regierung argumentierte unter anderem für das Gesetz, da so viele junge Menschen geschützt werden könnten und die Vorstrafen sinken würden. Es ist schwierig abzuwägen, ob dies nun tatsächlich einen Vorteil darstellt. Viele Jamaikaner sehen ihre einzige Chance, schnelles – und viel wichtiger – gutes Geld zu verdienen, indem sie Cannabis anbauen oder mit diesem handeln. Es ist schade, dass der Fokus nicht auf Bildung liegt und dem Wunsch, jungen  Menschen durch diese ein besseres Leben zu schaffen.

 

  1. The Guardian: Christopher ‘Dudus’ Coke tells US court: ‘I’m pleading guilty because I am’; Artikel vom 01.09.2017 []
  2. Spiegel online: Von Paten und Premiers; Artikel vom 31.05.2010 []
  3. Spiegel online:  Jamaika lockert seine Drogengesetze; Artikel vom 25.02.2015 []
  4. US Department of State: Country reporty- Honduras through Mexico; aufgerufen am 21.06.2017 []

Über Aida / earthlink

Ich bin gerade in den letzten Zügen meines Bachelorstudiums, studiere Politikwissenschaft. Thema meiner Bachelorarbeit: Folter in Guantanamo- Menschenrechtsverletzungen. Ich bin ein Optimist und möchte selbst the change sein den ich in der Welt sehen will. be kind always
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.