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Der Opiumanbau in Afghanistan seit Machtübernahme der Taliban

Bauern schaben Mohnköpfe ab, um Rohopiumkautschuk zu gewinnen. Später schaufeln sie das Gummi zu faustgroßen Brötchen und lassen sie in der Sonne trocknen. Rohopium kann geraucht, als Tee getrunken oder zu Heroin verarbeitet werden. Afghanistan ist der größte illegale Opiumproduzent der Welt. | Bild: © Venelin Petkov | Dreamstime.com [Royalty Free] - Dreamstime

Der Zusammenhang zwischen dem Drogenanbau in Afghanistan und den Taliban ist komplex. Die Taliban haben den Opiumanbau offiziell verboten, ihn aber auch zur Finanzierung ihrer Aktivitäten genutzt. Unter ihrer Herrschaft hatte der Anbau von Opium zunächst zugenommen, was die Vermutung nahelegt, dass sie aus dem Drogenhandel erhebliche Einnahmen erzielten.  1) Doch Daten, die auf Auswertungen von neuesten Satellitenbildern beruhen, zeichnen mittlerweile ein anderes Bild.

Laut einem Bericht der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) war der Opiumanbau in Afghanistan im Jahr 2022 um fast ein Drittel im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Die Anbaufläche erhöhte sich um 32 Prozent auf 233.000 Hektar, was die drittgrößte Fläche seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1994 darstellte. Diese Entwicklung machte die Ernte des Jahres 2022 zur profitabelsten seit Jahren, mit einem Anstieg des Ertrags von 425 Millionen auf 1,4 Milliarden Dollar. 1)

Afghanistan war der führende Produzent von Opium weltweit und trug mit etwa 80 bis 90 Prozent zur globalen Produktion bei, was dem Land quasi ein Monopol in diesem Bereich sicherte. Opium dient als Grundstoff für die Herstellung von Heroin.

Der erhöhte Opiumanbau in Afghanistan hatte sowohl lokal als auch global bedeutende wirtschaftliche Auswirkungen. Lokal bot er den Bauern eine wichtige Einkommensquelle, insbesondere in abgelegenen und unterentwickelten Gebieten. 1)

Im April 2022 verkündete die Taliban ein Verbot des Schlafmohnanbaus.

Laut einem Bericht des UN-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) vom Herbst 2023, wird das Verbot des Schlafmohnanbaus in Afghanistan mittlerweile konsequent umgesetzt. Die genutzte Anbaufläche und die erwartete Rohopiumernte sanken 2023 um 95 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mit Afghanistan als Herkunftsland von 85 Prozent des globalen Opiums hat nun Getreide den Schlafmohn auf 68 Prozent der Felder in den hauptsächlichen Opiumprovinzen ersetzt. Jedoch wird der Bedarf an Brot dadurch nicht gedeckt. Die Zahl der mangelernährten Afghanen ist auf 15 Millionen gestiegen. 2)

Die Einkünfte aus dem Opiumanbau flossen hauptsächlich an die Spitze der afghanischen Wirtschaftskette, inklusive Händler, Regierungsmitglieder und die Taliban, welche die Bauern besteuerten, und übertrafen deutlich die Verdienste der Farmer selbst. In Afghanistan wurde Opiummohn oft neben Hauptkulturen wie Weizen angebaut. Viele Bauern verkauften ihre Ernte sofort, um Grundbedürfnisse zu erfüllen. Das Verbot trifft die Landwirte hart, ebenso wie Tagelöhner in der Ernte. Der Gesamtverlust in den Hauptanbauregionen beläuft sich auf etwa eine Milliarde US-Dollar.

Die UNO äußerte nun Bedenken, dass das Verbot die bereits verbreitete Armut in Afghanistan verschlimmern und soziale Unruhen verursachen könnte, da der Anbau von Schlafmohn bisher oft die einzige Einkommensquelle für Bauern darstellte. 2)

Doch diese komplexe Lage verlangt sorgfältig abgewogene Lösungen, die sowohl den Kampf gegen den Drogenhandel als auch die wirtschaftliche Stabilität der ländlichen Bevölkerung berücksichtigen.

Gerade in Afghanistan erfordert die aktuelle Situation eine sorgfältige Abwägung zwischen der Bereitstellung humanitärer Hilfe und der Aufrechterhaltung von Druck auf die Taliban.

Entscheidend scheint jedoch, dass die internationale Gemeinschaft die Bevölkerung Afghanistans in dieser kritischen Zeit nicht im Stich lässt.

Fußnoten (Hinweise, Quellen, Links)

  1. tagesschau: Opiumanbau in Afghanistan rasant gestiegen, 1.11.22
  2. taz: Taliban erfolgreich gegen Opium

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