Plan Colombia

Der ‘Plan Colombia‘ ist ein Programm der kolumbianischen Regierung, das der Armee die Legitimation zuspricht, im “Drogenkrieg” für polizeiliche Zwecke aktiv zu werden. Er gilt als Teil eines durch die USA entwickelten, strategischen Sicherheitskonzepts für den amerikanischen Kontinent.

Colin Powell beim Staatsbesuch in Kolumbien | Wikimedia Commons

Colin Powell beim Staatsbesuch in Kolumbien | Wikimedia Commons

Kolumbien ist einer der größten Empfänger militärischer Hilfen der USA. Die mit dem Plan Colombia einhergehenden US-amerikanischen Sicherheitshilfen, welche seit 2000 an Kolumbien gingen, beliefen sich beispielweise im Jahr 2006 auf 728 Millionen Dollar, davon gingen 80 Prozent an das Militär und die Polizei. Plan Colombia gilt als strategischer Kampf gegen Drogen, mit dem Ziel, Frieden herbeizuführen und dies hauptsächlich durch militärische Mittel. Initiiert wurde das Programm unter US-Präsident Clinton. Bis dato sind ca. 8 Milliarden Dollar im Rahmen des Plan Colombia geflossen. Jedoch konnte das Programm nicht dazu beitragen, die Verfügbarkeit und den Konsum von Kokain in den USA zu reduzieren, auch die in Kolumbien zahlreich begangenen Menschenrechtsverletzungen sind nach wie vor präsent.1
Nach Aussagen von Menschenrechtsgruppen waren viele Mitglieder der Polizei und des Militärs in außergerichtliche Tötungen und Menschenrechtsverletzungen verwickelt. Zudem sollen transnationale Verbrechensorganisationen zahlreiche Polizei- und Militäreinheiten infiltriert haben.2

(c) Vladgalenko | Dreamstime.com

(c) Vladgalenko | Dreamstime.com

Bevor der Plan Colombia implementiert wurde, hatte fast die Hälfte des kolumbianischen Territoriums keine staatliche Sicherheitspräsenz. Kolumbien ist der größte Kokainproduzent der Welt und der wichtigste Heroin-Versorger der Vereinigten Staaten. Gerade die hohe Drogennachfrage der USA macht eine Lösung der Lage in Kolumbien schwierig. Kolumbianische Sicherheitsexperten sind zwar der Meinung, dass das Programm die allgemeine Sicherheit verbessert hat, sein eigentliches Ziel, die Drogenproduktion in der Region zu reduzieren, konnte jedoch keineswegs erreicht werden. Im Zuge der zunehmenden Militärangriffe gegen kolumbianische Drogenhändler wurde der Koka- und Mohnanbau immer wieder an andere Orte verlagert („balloon effect“). Drogenhändler weichen entweder auf andere Länder aus oder siedeln innerhalb Kolumbiens um. Ungefähr 90 Prozent des in den USA verkauften Kokains kommen nach wie vor aus Kolumbien.3

Der Fokus auf militärischer und polizeilicher Hilfe erfolgte auf Kosten von Menschenrechten und des Rechtsstaates. Die Menschenrechtslage in Kolumbien hat sich vor allem in den Konfliktzonen kaum verbessert. Der enorme Druck, gewalttätige Akteure zu jagen – allen voran der Guerillaorganisation FARC – führte zu vielen Missbräuchen. Ungefähr 3000 unschuldige Zivilisten wurden zwischen 2004 und 2008 von Sicherheitskräften (hauptsächlich vom Militär) getötet.4

Die Folgen der Drogenbekämpfungsmaßnahmen sind darüber hinaus auch verheerend für die Umwelt: So werden vermeintliche Kokapflanzungen – hauptsächlich im Besitz der FARC – mit einer Vielzahl an Pflanzenvernichtungsmitteln (Pilze und Herbizide) besprüht, was dazu führt, dass jeweils neben zwei Hektar Drogenpflanzungen auch ein Hektar Wald und Nutzflächen vernichtet werden. Davon sind vorwiegend arme Bevölkerungsgruppen betroffen.

  1. Amnesty International USA: U.S. Policy in Colombia – nicht mehr verfügbar  []
  2. NACLA: The U.S. Re-militarization of Central America and Mexico – zuletzt aufgerufen am 15.07.2014. []
  3. CNN: Plan Colombia revisited: Mixed results for U.S. anti-drug initiative – zuletzt aufgerufen am 24.07.2014 []
  4. Americas Quarterly: Plan Colombia: A Retrospective – zuletzt aufgerufen am 24.07.2014  []

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